Mitreden, handeln, Zukunft gestalten: Wie BNE vom Rathaus ins Klassenzimmer kommt

Global Education Week 2026

Wie kommt das Licht in die Lampe? Woher kommt das Essen auf meinem Teller? Wer hat eigentlich meine Banane geerntet? Kinder können 42 Fragen hintereinander stellen und zwar am liebsten dann, wenn abends eigentlich das Licht ausgehen soll. Zum Glück! Denn so verstehen Kinder die Welt – und können mitreden, wenn es darum geht, sie zu gestalten.

Der Rahmen: eine Woche für globales Lernen

Vom 16. bis 22. November 2026 findet die Global Education Week statt, in Deutschland koordiniert von der Informationsstelle Bildungsauftrag Nord-Süd des World University Service. Schulen, Vereine und Bildungseinrichtungen beteiligen sich mit eigenen Aktionen und gehen dabei der Frage nach, wie Bildung zu konkretem Handeln für die 17 Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen führen kann (Portal Globales Lernen).

Eine solche Woche ist ein guter Anlass, um Themen sichtbar zu machen. Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) braucht allerdings mehr als einen Aktionstag: Sie braucht Material, das Kinder über das ganze Schuljahr begleitet, und Menschen, die dafür sorgen, dass es bei allen ankommt. Dafür arbeiten zwei Seiten Hand in Hand – die Verwaltung, die BNE an die Schulen bringt, und die Lehrkräfte, die es im Unterricht lebendig werden lassen.

Die Verwaltung: BNE an alle Schulen bringen

Viele Kommunen haben inzwischen Klimaschutzkonzepte und Nachhaltigkeitsstrategien, manche sind auch als Fairtrade-Town ausgezeichnet. Oft bleibt dabei aber die Frage offen, wie diese Themen die Jüngsten erreichen – und zwar nicht nur die Kinder, in deren Familien ohnehin darüber gesprochen wird, sondern wirklich alle.

Eine Möglichkeit ist die regionale Ausgabe des Möhrchenhefts. Dabei bestellt eine Kommune, ein Kreis oder ein Bildungsträger die Hefte und gibt sie kostenfrei an die Grundschulen der Region weiter. Auf eigenen Seiten im Heft kommen Themen und Ansprechpersonen aus der Region hinzu, sodass BNE in jedem Schulranzen landet und von dort aus oft auch den Weg an den Küchentisch findet.

Im Schuljahr 2026/27 ist das Möhrchenheft an mehr als 300 Orten in gut 6.500 Schulklassen im Einsatz. Einige Beispiele zeigen, wie unterschiedlich das aussehen kann:

  • Kreis Mettmann: 10.000 Hefte gehen an 55 Grund- und Förderschulen. Das Gesundheitsamt und die Stabsstelle Klimaschutz haben dafür eigene Seiten gestaltet, unter anderem zu Hitzeschutz und Ernährung.
  • Berlin: In vier Bezirken arbeiten Kinder mit insgesamt 11.000 Heften einer eigenen SDG-Ausgabe.
  • Schleswig-Holstein: Gemeinsam mit NAH.SH erhalten Grundschulen jedes Schuljahr rund 40.000 Hefte zum Thema Mobilität und Nahverkehr; erstmals kamen in diesem Jahr 20.000 Schulplaner für die Klassen 5 bis 9 hinzu.
  • Landeszentralen für politische Bildung: Die Landeszentralen in Sachsen, im Saarland, in Rheinland-Pfalz, Hessen und Berlin bieten eine eigene Ausgabe des Rätselhefts Demokratie an.

All diese Beispiele verbindet, dass die Themen mit eigenen Inhalten und Aktionen aus der jeweiligen Region angereichert sind und über die Schulen jeden Haushalt über eine lange Zeit erreichen. Ob ein Kind etwas über Klimaschutz, Fairen Handel oder Demokratie erfährt, hängt dann nicht mehr davon ab, ob zu Hause darüber gesprochen wird.

Die Lehrkräfte: Mitreden, handeln und gestalten im Unterricht

Sobald die Hefte in der Schule angekommen sind, beginnt der spannendste Teil. Das Möhrchenheft ist kein Lehrbuch, das Seite für Seite abgearbeitet werden muss und viel mehr als ein einfaches Hausaufgabenheft Die Themenseiten liefern Gesprächsanlässe, Rätsel und Ideen zum Mitmachen, die sich gut in den Unterricht einbauen lassen. Drei Beispiele passen besonders gut zum Motto der Aktionswoche.

Mitreden: der Meinungswürfel

Aus dem Rätselheft Demokratie stammt eine Methode, die ohne Vorbereitung funktioniert: Ihr nehmt einen Würfel und denkt euch für jede Zahl eine Frage aus. Wer würfelt, beantwortet die passende Frage und begründet kurz die eigene Meinung, bevor die anderen an der Reihe sind. Auf diese Weise üben Kinder, eine eigene Meinung zu formulieren und anderen aufmerksam zuzuhören – im Morgenkreis ebenso wie am Abendbrottisch.

Tipp: Bei fünf Landeszentralen für politische Bildung lässt sich das Rätselheft kostenfrei bestellen; die genauen Bedingungen stehen auf deren Websites. Hier gibt es mehr Infos.

Handeln: Die Natur als Nachbarin

Auf der Themenseite „Die Natur als Nachbarin“ aus der Ausgabe "Natur" entdecken Kinder im Klassengespräch, dass Natur überall zu finden ist, auch zwischen Pflastersteinen oder am Rand des Schulhofs. Daraus lässt sich schnell etwas Praktisches machen, etwa wenn die Klasse Ohrwurmhostels für den Schulhof baut. Wer mehr Zeit einplanen kann, startet gemeinsam mit der GemüseAckerdemie ein Bildungsprojekt rund um ein eigenes Gemüsebeet.

Zukunft gestalten: Plastik schlägt auf den Magen

Die Themenseite „Plastik schlägt auf den Magen“ aus der Ausgabe Umwelt erklärt, was Plastikmüll für Tiere und Meere bedeutet, bleibt aber nicht beim Problem stehen, sondern zeigt auch, was Kinder im Alltag selbst tun können. Ganz im Sinne der Global Education Week: Wer heute erfährt, wie es anders gehen kann, gestaltet morgen mit.

Noch mehr Material

Zu einigen Themenseiten und Inhalten gibt es eine Folge von Kikis Karottcast. Auf unserer Website finden Lehrkräfte außerdem Empfehlungen für den Unterricht, Literaturlisten, Klassenposter und vieles mehr.